Glasgow Downtown

Der Typ, der an einem Freitagabend in Glasgow die Luftgitarre auspackt, ist keiner, von dem man es erwartet hätte. Warren, Anfang vierzig trägt ein kariertes Hemd unter einem Strickpullunder unter einem Tweedsakko. In einer Ecke der kleinen Kneipe steht Matt mit seiner Westerngitarre und spielt AC/DC. Warren zieht die Schiebermütze tiefer ins Gesicht und imitiert Angus Young. Matt reißt die Leute mit, die ihren Freitagabend in diesem Pub in der Innenstadt von Glasgow verbringen. Er sieht aus wie Ed Sheeran, klingt aber wie Jack Black von Tenacious D. Matt gibt noch einmal alles, bevor er das erste Drittel seines Auftritts beendet.
Zeit für Warren, der uns eben an seinen Tisch bugsiert hat, ein Gespräch zu beginnen. Ob wir eher an Musik oder Kultur interessiert seien, will er wissen. Er entschuldigt sich für seine undeutliche Aussprache – vor kurzem habe er sich beim Skateboard fahren zwei Schneidezähne ausgeschlagen.
Musik also. Warren holt einen Stift von der Bar, reißt eine Seite aus einer Guardian-Beilage heraus und faltet sie säuberlich. Erzählt von einer Bar, faltet das Papier noch einmal. Eigentlich seien es zwei Bars, direkt nebeneinander. Ein Taxi kann uns dort hinbringen, für fünf Pfund. Er schreibt die Namen und die Straße auf.
Matt spielt wieder, nun etwas von Meat Loaf. „Der ist ok, aber wenn ihr zum ersten Mal in Glasgow seid müsst ihr dorthin fahren.“ Stärker als Zahnlücke und schottischer Akzent bremst der Alkohol Warrens Verständlichkeit. Er bietet an, das Taxi zu übernehmen. Matt spielt Sweet Home Alabama. Warren schwärmt von meiner Weste, und wie gut sie doch zum Hemd passe. Matt spielt Meredith Brooks. Warren zieht zögerlich die Schiebermütze auf, streicht sie zum Schirm hin mit beiden Händen glatt, setzt sie wieder ab. Und auf. Er verabschiedet sich nett. Später spielt Matt zwei Songs von Tenacious D.

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