Vom Meer in die Bubble

Gestern war gut? Heute war besser! Ich habe spontan und unverhofft ein paar richtig tolle Fotos gemacht und dann sogar noch auf Kosten unserer Bundesrepublik bayerische Hausmannskost am Pool gegessen. Aber von vorne: mit Carolin und dem Ghanaer Eric war ich in Jamestown, auch bekannt als „British Accra“. Der Teil, in dem wir unterwegs waren, war nicht mehr als ein Fischerdörfchen zwischen Kolonialfestung und Atlantik. Hier dreht sich alles um Fisch, der noch mit sehr einfachen Mitteln gefangen wird. Eric besorgte Carolin einen Interviewpartner, ich machte Fotos.
Ach, Eric ist eh ein ziemlich guter Typ: Er ist Sargbauer, aber ein besonderer – die Särge haben die krassesten Formen, zum Beispiel ein Seepferdchen. Eric verkauft seine Arbeit sogar gelegentlich nach Übersee. Heute hat er einfach mal seine Angestellten alleine gelassen um uns nach Jamestown zu bringen. Weil die Leute neulich in den USA so schroff waren und er es besser machen will. Großartiger Charakter, wir haben ihn dann noch ins Papayes eingeladen.
Ich suche gerade nach einem schwarzen Hemd für eine Beerdigung am Samstag, stattdessen haben wir ein Plakat entdeckt: „US Visa Lottery“. Bitte was? Ganz unserer Profession nach sind wir dem auf den Grund gegangen, haben länger mit einem Kanadier gequatscht und sind auf dem besten Weg zu einer spannenden neuen Story!
And now to something completely different: Charlotte hatte organisiert, dass wir zum Empfang in die Residenz des Botschafters dürfen. Anlass: Der Tag der Deutschen Einheit, aber da hier freitags alle ins Wochenende starten haben wie reingefeiert. Zur Residenz zu kommen war ein kleines Drama, denn der Taxifahrer hatte große Schwierigkeiten damit, sie zu finden. Dann dort: Ansprachen, Kampf am Buffet, Foto mit dem Botschafter und ein riesiger Pool. Und eine ghanaische Band, die die deutsche Hymne spielte. Für Hannah, die Geburtstag hatte, haben wir eine Kerze mitgebracht, die angeblich Musik macht wenn man sie anzündet. Hat aber nicht geklappt. Insgesamt erlebten wir eine krasse Ausprägung der sogenannten Expat Bubble, also der Blase, in der die Expatriierten leben.
Nach einer Taxifahrt zu siebt trafen wir dann Martin in unserem neuen Hostel an, den wir alle zuletzt in Bonn gesehen hatten. Und einen ghanaischen Fußballtrainer, der den deutschen WM-Erfolg irgendwie auf Hitler zurückzuführen versuchte. War ganz lustig, und ein sehr facettenreicher Tag. Danke, Ghana!

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