Go East

Accra ist schön und gut, aber nach einer Woche Hauptstadt tat mir eine Luftveränderung ganz gut. Ich sitze gerade vor meinem menschenleeren Guest House direkt am Ozean und könnte mir kaum Besseres vorstellen.

Ich stieg an der Aflao Station aus dem Taxi und wurde sofort umringt. Ich hätte sofort für 200 Cedi (etwa 50€) nach Tegbi fahren können, ich setzte mich aber lieber für ein Zehntel in ein Tro-Tro und nahm eine längere Fahrt in Kauf. Nach einer halben Stunde waren wir voll und starteten die Fahrt in den Osten.

Schnurstracks führte eine gute Straße durch schier endloses Buschland. Ab und zu mussten wir Maut zahlen. Allmählich mischten sich Baobab-Bäume, Stauden und Napier-Gras unter die gedrungenen Büsche. Direkt vor mir hing der Innenspiegel des Kleinbusses, aus dem mich meine Augen musterten. Nur meine. Ich war zwar der einzige Obroni, aber die Ghanaer lassen mich meine andere Hautfarbe viel weniger spüren, als ich es aus Kenia kenne.

Mit über hundert Stundenkilometern flogen draußen Dörfer, Werbetafeln, Ebola-Warnschilder, Ölraffinerien, ein umgestürzter LKW und vor Allem Buschland vorbei. Allmählich zogen Wolken auf und wir leisteten uns Wettrennen mit ihren Schatten.

Nach einer Weile tauchte eine unscheinbare Brücke auf. Sie überspannte den Volta, der an dieser Stelle noch ein gutes Stück breiter war als der Rhein vor meiner Mainzer Haustür. Im nächsten Ort hielten wir kurz und wurden sofort von etwa 15 Frauen umringt, die auf dem Kopf Schalen trugen, deren Inhalt (zum Beispiel Brot, Limonade oder Erdnüsse) sie an uns verkaufen wollten.
Allmählich wurde die Umgebung feuchter, immer wieder säumten Sumpfgebiete den Straßenrand. Im Radio traditionelle Musik, manche Fahrgäste sangen leise mit. Auf meinem Schoß drang Michael Obert derweil zur Quelle des Niger vor, und ich fühlte mich mit einem Mal erfüllt von Abenteuerlust und Freiheit, die ich am liebsten in einem Urschrei zum Ausdruck gebracht hätte.
Draußen gab es einen leichten Regen – keinen Wolkenbruch wie Freitag in Accra, sondern sanften Landregen, nach dem die Straße duftete. In der feuchtwarmen Luft lag auch die Minze am Straßenrand. Wir durchquerten Agbozume, wo ich morgen einen Termin habe, und landeten schließlich in Aflao. „Were at the border to Togo“, erklärte mir der Fahrer bedeutungsvoll.

Hinter der Grenze wird Aflao nahtlos zu Togos Hauptstadt Lomé. Auf dem Ozean lagen zahllose große Trawler, die hier unter westlicher Flagge das Meer leerfischen. Indes trat mein Tro-Tro den Rückweg an, der endlich auch über die Lagune von Keta führte. Der Fahrer schien wie ausgewechselt, sammelte Leute am Straßenrand ein und heizte sonst mit 90 durch die Orte. Zudem wurde die Straße merklich schlechter – wir mussten nicht nur für die zahlreichen Speed Bumps, sondern auch für viele Schlaglöcher bremsen. Wir fuhren auf einer Landzunge, die die Lagune vom offenen Meer abschnitt. Am Straßenrand zeigte mir der Fahrer Pfahlbauten, die gerade in der Lagune errichtet werden. Das sollen Guest Houses werden, erklärte er mir. Schließlich kamen wir aber in Tegbi an, und der Fahrer brachte mich sogar direkt zur Lorneh Lodge. Für irgendwas muss der Obroni-Zuschlag ja auch gut sein.

Ich glaube, ich bin der einzige Gast – was ich angesichts der Lage nicht nachvollziehen kann. Ich lebe direkt an einem wunderschönen (okay, das Müllproblem gibt es auch hier) Strand, die Brandung des Atlantik braust gleichmäßig, und ich kann mich kaum sattsehen an dieser Idylle.

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