Bauen mit dem Drucker

Die Niederlande stehen für Tulpen, Windmühlen, Käse, … und vielleicht auch bald das erste Haus der Welt, das mit einem 3D-Drucker gebaut wurde. In Amsterdam Noord entwickelt ein internationales Team ein Haus aus einem nachhaltigen Kunststoff, das die Welt des Bauens verändern könnte.

Ein Teil des Hauses aus dem Drucker © David Ehl

Amsterdam Noord hatte als Teil der niederländischen Hauptstadt schon immer eine Sonderstellung. Auch und vor allem, weil der Meeresarm „Het IJ“ es vom Stadtzentrum abschneidet. So war Amsterdam Noord zeitweise hauptsächlich Fischerdorf, mit dem Erstarken des Frachtverkehrs auf See wurde die Fläche als Gewerbegebiet immer wichtiger. Mehrfach wurden Wohngebiete für die Hafenarbeiter erschlossen, und die Trabantenstadt wuchs. Noord ist ein vollwertiger Teil von Amsterdam, spätestens seit eine kostenlose Fähre im Vierminutentakt Fußgänger und Fahrradfahrer über das IJ bringt. Die Kreativen und Lebemenschen der Stadt haben längst begriffen, dass es sich in Noord besser aushalten lässt als im touristenschönen Zentrum, über dem der faulig-süßliche Odeur der brackigen Kanäle und der Coffeeshops hängt wie eine kupferne Glocke.

Unweit der Fähranlegestelle, wo Noord die Ankömmlinge aus dem Zentrum mit moderner Architektur und Kunst empfängt, entsteht gerade etwas Großes. Vielleicht ist es revolutionär, vielleicht wird man es im Nachhinein als Spielerei abtun – auf jeden Fall ist es beachtenswert. Das Projekt nennt sich schlicht 3D Print Canal House und versammelt ein internationales Architekten- und Werkstofftechniker-Team in einem zweistöckigem Baucontainer. Sie alle wollen etwas erschaffen, was die Welt noch nicht gesehen hat: Ein Haus, das komplett mit einem 3D-Drucker hergestellt wurde.

Das erste Zimmer soll noch in diesem Sommer begehbar sein. Ein riesiger, speziell zu diesem Zweck entwickelter 3D-Drucker namens „KamerMaker“ druckt quasi ununterbrochen die einzelnen Elemente, die dann zusammengesetzt werden. Das Team hat die Vision, dass mit diesem Modell kostengünstig Wohnraum produziert werden kann – und zwar ohne Transportwege direkt auf dem Baugrund. Die Funktionsweise des KamerMakers unterscheidet sich nicht wesentlich von kleineren 3D-Druckern: Ein dreidimensionales, am Computer simuliertes Objekt wird im sogenannten G-Code in einzelne Schichten zerlegt. Der Drucker formt Schicht für Schicht aus einem schnell härtenden Material, bis das Objekt fertig ist.

Die Idee ist sogar nachhaltig: Das Modellprojekt in Noord verwendet einen Heißkleber, der zu 80% aus natürlichen pflanzlichen Ölen besteht. Das Granulat muss vom KamerMaker nur einmal auf 170°C erhitzt werden; somit bleibt auch der Energieaufwand vergleichsweise gering. Natürlich ist der Heißkleber längst nicht so stabil wie Stein – deshalb hat das Team in Amsterdam Noord die Bauteile so geformt, dass sie sich in ihrer unregelmäßigen Struktur möglichst selbst aussteifen. Das Ergebnis ist tatsächlich sehr stabil. Und es gibt sogar durchsichtige Elemente, die später Tageslicht ins Innere lassen sollen.

Der Kamermaker bei der Arbeit © David Ehl

Die Architekten wollen gerade ein Kanalhaus bauen, weil es nach Amsterdam Noord passen soll, und weil die Kanalhäuser der Hauptstadt schon immer Vielseitigkeit und Innovation verkörperten. Nach seiner Fertigstellung soll das 3D Print Canal House öffentlich zugänglich sein. Es bleibt spannend, ob es bei diesem Modellversuch bleibt oder ob in den Niederlanden gerade der Grundstein zum Bauen der Zukunft gelegt wurde.

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