Die Lotterie zum Amerikanischen Traum

Dominic lebt in Accra. Er ist Schneider und führt einen kleinen Betrieb mit fünf Angestellten. Prinzipiell ist Dominic zufrieden mit dem, was er hat – dennoch will er die Chance nützen, weiterzukommen. Er hat sich, wie viele Ghanaer auch, auf eine ganz besondere Green Card für die Vereinigten Staaten beworben. Wie Dominic haben viele Ghanaer an der so genannten Visa-Lotterie teilgenommen. Im Mai wird bekannt gegeben, wer eine der 50.000 begehrten Green Cards gewonnen hat.

Mit einem neuen Immigrationsgesetz riefen die Vereinigten Staaten 1990 das „Diversity Visa Program“ ins Leben: Jährlich werden seitdem 50.000 Greencards im Losverfahren ausgegeben – um in den Lostopf zu kommen, muss man lediglich einen höheren Schulabschluss besitzen. Staatsbürger fast aller Länder dürfen teilnehmen. „Ich will die USA bestimmt nicht verklären, aber sie tun etwas“, lobt Scott Allen. Er leitet das Sharpnet Internet Café in Accras Viertel Osu.

Im Herbst hat Scotts Laden, der auch Druck- und Kopierdienste und sogar Getränke und Sportübertragungen anbietet, besonders viele Gäste: Wie unzählige Andere im ganzen Land bietet auch Sharpnet den Service an, seine Kunden für das Diversity Visa Program zu registrieren. Für 7 Cedi, also knapp zwei Euro, (beziehungsweise 9 Cedi für Familien) hilft ein Mitarbeiter mit dem Onlineformular, ein Digitalfoto im hauseigenen Studio ist auch inbegriffen. Die ausgedruckte Bestätigung über den Eintrag bewahrt Sharpnet auf, bis im Mai des Folgejahres die Gewinner bekannt gegeben werden.

Und weil diese Dienstleistung zu umständlich zu erklären ist, steht auf dem riesigen Transparent vor der Haustür einfach „US VISA LOTTERY“ neben den Stars & Stripes und dem Weißkopfseeadler. In unterschiedlichen Größen und Ausführungen findet man diese Plakate überall in Ghana. „Manche Leute wollen nicht alleine die Formulare auszufüllen oder haben keine Digitalkamera. Sie fühlen sich wohler damit, uns ein paar Cedi zu geben“, erklärt Scott die Geschäftsidee, mit der viele Ghanaer an einem kostenlosen Angebot Geld verdienen. Die Registrierung stand vom 1. Oktober bis zum 3. November offen, im letzten Jahr haben sich etwa 800 Teilnehmer im Sharpnet Internet Café registriert.

Ein Freund hat Dominic von der Visalotterie erzählt, jetzt sitzt der 35-Jährige auf der Wartebank vor dem Fotostudio.  Er trägt ein kunstvoll geschneidertes schwarzes Hemd, von dessen Kragen eine Zierleiste über das Brustbein herunterläuft. Es ist sein erster Versuch; andere wie Isaac kommen jedes Jahr. „Ich habe immer davon geträumt, aus Ghana herauszukommen. Die USA waren immer schon in meinem Kopf“, erzählt er. Wohin er am liebsten möchte? „Auf jeden Fall eine der großen Städte: Los Angeles, Chicago, Ohio.“

Schneider Dominic lässt im Sharpnet Passfotos für seinen Visumsantrag machen
Schneider Dominic lässt im Sharpnet Passfotos für seinen Visumsantrag machen

Im letzten Jahr haben bei Scott im Sharpnet Internet Café vier oder fünf Teilnehmer gewonnen. „Das ist gar nicht schlecht“, findet der Kanadier. 2012 haben die Johnsons in seinem Laden eine Greencard gewonnen. Heute leben sie mit ihren drei Kindern in New Jersey. „Wir sind sehr glücklich und sind Scott sehr dankbar. In Amerika ist vieles besser als in Ghana“, erklärt Samuel Johnson. Er arbeitet bei einer Sicherheitsfirma, seine Frau als Arzthelferin. Sie fügt hinzu: „Irgendwann kommen wir auch sicher zurück nach Ghana, aber wir mögen es hier.“

Scott freut sich für Familie Johnson. Offenbar hätten sie sehr viel Glück gehabt. Er warnt vor falschen Erwartungen: „Die Leute brauchen einen Langzeitblick, mindestens zehn Jahre.“ Scott ist überzeugt, dass sein Barmann es in zehn Jahren in den USA zu etwas gebracht haben wird. „Aber die ersten Jahre werden hart.“

 

Mehr Fotos aus Ghana gibt es in meinem Flickr-Album Ghana 2014. Mein Reiselogbuch aus Ghana findest du hier. Die Recherchereise nach Ghana wurde vom EU-Journalismusförderprogramm Beyond Your World in Zusammenarbeit mit der Deutschen Welle Akademie unterstützt.

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